Schwarzkirschen

Yummy, yummy, yummy …

… I’ve got Schwarzkirschmarmelade in my tummy.

Was gibt es Schöneres als bei 29°C Innentemperatur Marmelade zu kochen? Naja … okay, ein oder zwei Sachen fallen mir da schon ein.

Aber unsere Testcharge an selbstgemachter Schwarzkirschmarmelade war nun mal schon aufgebraucht und morgen zum Frühstück MUSS.DIESE.MARMELADE.AUF’S.BROT.

Schwarzwälderkirschbrot
Schwarzwälderkirschbrot

Und wer braucht schon Butter, wenn man auch Schokoaufstrich unter die Marmelade schmieren kann?!

Die Kirschen haben wir schon letztes Wochenende von dem ca. 120 Jahre alten Kirschbaum gepflückt. Bevor ich stundenlang in der Küche stehe und am Ende vier Kilo Kirschen versaue, habe ich testweise von einem Kilo frischer Kirschen eine Testcharge Marmelade gekocht. Die restlichen drei Kilo haben wir in einem Müllsack eingefroren (Not macht erfinderisch).

Und die waren heute dran.

Man braucht: Kirschen. Und Gelierzucker. Einige Schüsseln, einen größeren Topf und Gläser mit Deckel wären auch nicht schlecht.

Drei Kilo Kirschen und der Cherrymat
Drei Kilo Kirschen und der Cherrymat

Die Kirschen haben wir etwas antauen lassen, da man sie sonst nicht so gut entsteinen kann (mit Gewalt geht alles, aber wenn man sich den Tennisarm sparen will, wartet man eine halbe Stunde). Von meiner Schwiegermama haben wir uns dieses Mal einen Entsteiner ausgeliehen, mit dem man angeblich 12 Kilo Kirschen in nur einer Stunde entsteinen kann. Den Superhausfrauenroboter will ich sehen, der das schafft. Ich habe für drei Kilo (Gewicht nach dem Entsteinen) eine Stunde gebraucht und hab danach noch drei Kirschkerne zwischen den Früchten gefunden …

Aber im Vergleich zu unserer manuellen Methode mit einem Metallstrohhalm war es dann doch ein bisschen schneller. Mit einer Büroklammer hatten wir es zuerst auch versucht, aber das ist die schlechteste und ineffizienteste der drei Methoden.

Kirschen mit einem Metallstrohhalm entsteinen
Kirschen mit einem Metallstrohhalm entsteinen

Nach dem Entsteinen habe ich die Kirschen kiloweise auf Schüsseln verteilt, da auf der Verpackung des Gelierzuckers empfohlen wird nur immer maximal ein Kilo Früchte zu kochen. Da sie eingefroren waren, habe ich den Saft vorher abtropfen lassen. Durch ein feinporiges Sieb gefiltert kann man den nicht nur in eine alte Ketchupflasche füllen, sondern tatsächlich auch trinken.

Drei Kilo entsteinte Kirschen, Kirschkerne und 0,5 l Kirschsaft
Drei Kilo entsteinte Kirschen, Kirschkerne und 0,5 l Kirschsaft

Weil ich ganze Früchte in der Marmelade haben will, habe ich die Kirschen nicht weiter bearbeitet, sondern pro Kilo jeweils 500 g Gelierzucker (2:1) aus Roh-Rohrzucker und Apfelpektin zugegeben.

Kirschen in Gelierzucker
Kirschen in Gelierzucker

In der Zwischenzeit habe ich die Gläser und Deckel nochmal abgewaschen. Die Deckel habe ich danach in kochendem Wasser einige Minuten abgekocht, damit sie wirklich sauber und keimfrei sind.

Deckeleintopf
Deckeleintopf

Die Gläser kann man auch auskochen, aber da man nicht so viele in einen Topf bekommt, habe ich sie diesmal einfach im Backofen sterilisiert. Dafür bei 130°C Ober- und Unterhitze für 15 Minuten auf ein Backblech stellen und danach den Rand nicht mehr anfassen.

Sterile Gläser
Sterile Gläser

Während die Deckel kochen und die Gläser im Backofen sind, wird das erste Kilo Kirschen gekocht. Ab und zu umrühren und nicht auf höchster Hitze brutzeln, sondern auf mittlerer Hitze einkochen lassen.

Laut der Information auf dem Gelierzucker muss man die Früchte nur 2-3 Minuten kochen, dann 100 ml Zitronensaft hinzufügen (siehe Tipps unten) und weitere 2 Minuten köcheln lassen. Ich habe keinen Zitronensaft dazu gegeben, weil ich keine Zitronen am Lager hatte, um den Schimmelpilz aus der Plastikzitrone einen Bogen mache und den Geschmack nicht verändern wollte. Stattdessen habe ich die Kirschen einfach für mindestens 15 Minuten einkochen lassen, da mir die Marmelade aus der Testcharge bei kürzerer Kochzeit nicht fest genug war und die aufgetauten Früchte ziemlich viel Saft abgegeben haben.

Fertige Marmelade
Fertige Marmelade

Die Gläser mit einem sauberen Handtuch oder Topflappen aus dem Ofen holen und auf ein sauberes, nasses Handtuch stellen. Die Marmelade in die heißen Gläser füllen, den Deckel zuschrauben und das Glas für mindestens fünf Minuten auf den Kopf stellen, damit auch wirklich jeder Keim abgetötet wird.

Abgefüllte Marmelade
Abgefüllte Marmelade

Pro Kilo Früchte bekommt man knapp vier Gläser zu je 250 g heraus. Es geht also durch das Einkochen fast nichts verloren. Aus den drei Kilo entsteinten Kirschen habe ich 13 Gläser rausbekommen.

13 Gläser allerfeinste Schwarzkirschmarmelade
13 Gläser allerfeinste Schwarzkirschmarmelade

Die Marmelade abkühlen lassen und an einem kühlen Ort (z.B. im Keller) aufbewahren. Wenn nichts schief gegangen ist, sollte sie sich mehrere Jahre halten. Das werden wir aber nie herausfinden.

Falls der Deckel sich nach oben wölbt, ist die Marmelade schlecht geworden. Man sollte sie dann wegwerfen. Wenn die Marmelade nach dem Öffnen ein bisschen Schimmel an einer Stelle oder an der Innenseite des Deckels gebildet hat, hat jemand beim Einfüllen auf den Deckel oder den Rand des Glases getatscht. Durch den hohen Zuckergehalt, kann man den Schimmel aber einfach großflächig mit einem Löffel entfernen und die Marmelade trotzdem noch essen!

Hat sich für das Foto aufgehübscht
Hat sich für das Foto aufgehübscht

Das Pflücken, Sortieren und Säubern der Kirschen haben 2,5* Personen in ca. zwei Stunden erledigt. Das Entsteinen und Einkochen der Kirschen hat mich ungefähr drei Stunden gekostet.

* Ich habe zwischendurch lieber Walderdbeeren gesucht und gegessen.

This slideshow requires JavaScript.

Würde man für die acht Stunden Arbeit den aktuell festgesetzten Mindestlohn i.H.v. 8,68 Euro bekommen, wären das allein 69,44 Euro. Da die Kirschen nichts gekostet haben und wir die Gläser gesammelt haben, kommen an Materialkosten nur noch die 1,5 Kilo Bio-Gelierzucker zu je 3,50 Euro hinzu, was in Summe 79,94 Euro ergibt. Vernachlässige ich das verbrauchte Wasser und den Strom für Backofen und Herd, kosten 100 g allerfeinste Schwarzkirschmarmelade 2,66 Euro.

Ein Glas zu 250 g hat den Wert von 6,66 Euro (Teufelszeug.).
Mein Beitrag zum Thema: Welchen Wert hat Arbeit?

Tipps, die ich von der Verpackung des Gelierzuckers abgeschrieben habe:
  • Bei hartfleischigen Früchten wie Kirschen oder Aprikosen wird empfohlen die Früchte über Nacht mit dem Zucker stehen zu lassen. Da die Kirschen durch das Einfrieren aber ziemlich matschig waren, habe ich das dieses Mal nicht gemacht. Bei der Verarbeitung von frischen Kirschen ergibt es aber durchaus Sinn.
  • Immer nur maximal ein Kilo Früchte mit Gelierzucker pro Kochvorgang verarbeiten.
  • Je länger man die Marmelade kocht, desto fester wird sie.
  • Verzichtet man auf die Zugabe von Zitronensaft, verlängert sich die Kochzeit um 2-3 Minuten, da die Gelierung dadurch geringer ist.
  • Bei sauren Früchten wie Quitten, Johannis- oder Stachelbeeren kann man auch weniger Zitronensaft hinzufügen.
  • Werden wässrige oder unreife Früchte verarbeitet, nimmt man nur 800 g Früchte mit 500 g Gelierzucker.
  • Möchte man Gelee aus Saft herstellen, nimmt man 500 g Gelierzucker für 0,75 l Saft.
Lessons Learned:
  • Kirschen vor dem Einfrieren waschen. Gefroren oder aufgetaut lassen sie sich nicht mehr waschen.
  • Ein Kirschenentsteiner spart sehr viel Arbeit.
  • Kirschen lieber frisch als aufgetaut verarbeiten. Es sei denn, man will auch Kirschsaft rausbekommen und gibt sich mit etwas weniger Marmelade zufrieden.
  • Das Einfüllen in die Gläser geht mit einem Trichter sicher sauberer vonstatten.
  • Kirschen nicht in der Nähe von Gardinen entsteinen. Ups.
  • Kirschen nicht in Klamotten entsteinen, die man nochmal in der Öffentlichkeit anziehen möchte. Ups.
  • Kirschen am besten nur mit Handschuhen anfassen, falls man die Tage darauf einen Auftrag als Handmodel hat (und auch wenn nicht). Nach einer Woche hat sich die Haut an den Händen erneuert und der Dreck an und unter den Fingernägeln ist weg.
    Ich sage es ja: Teufelszeug.
Advertisements

One thought on “Yummy, yummy, yummy …”

  1. Hallo!

    Selbst gemachte Marmelade schmeckt aber auch wirklich viel besser als gekaufte und das ist die Arbeit auf jeden Fall wert. Nur in Geld umrechnen darf man natürlich nicht – wie so oft bei selbst gemachten Dingen.

    Danke für Deinen schönen ausführlichen Bericht!

    Bei mir hat die Einkochsaison auch schon begonnen.

    lg
    Maria

    Like

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s